Die Entscheidung, in Photovoltaik (PV) zu investieren, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen und renditestarken Kapitalanlage. Haben Sie sich einmal grundsätzlich für ein Solar-Investment entschieden, stellt sich die nächste zentrale Frage: Soll das Kapital in eine Dachanlage (z. B. auf einem eigenen oder fremd vermieteten Mehrfamilienhaus oder einer Gewerbeimmobilie) oder in eine Freiflächenanlage (ein Solarpark auf gepachtetem oder gekauftem Land) fließen?
Beide Anlagetypen haben spezifische Vor- und Nachteile, die sich direkt auf die zu erwartende Rendite, die Komplexität des Projekts und das notwendige Anfangskapital auswirken. Dieser Artikel beleuchtet die entscheidenden Unterschiede und hilft Ihnen als Kapitalanleger, die für Ihre individuellen Ziele sinnvollere Investitionsform zu identifizieren.
🏗️ Dachanlage: Der Weg zum Eigenverbrauch und Mieterstrom #
Dachanlagen sind oft der klassische Einstieg in die PV-Investition. Sie nutzen bereits vorhandene Infrastruktur (das Dach) und eignen sich hervorragend für Investoren, die ihren Fokus auf dezentrale Versorgung und hohe Eigenverbrauchsquoten legen.
🏠 Vorteile der Dachanlage #
- Geringere Initialkosten pro kWp: Da die Fläche (das Dach) bereits vorhanden ist, entfallen hohe Kosten für Flächenerschließung, Pacht oder Kauf von Grundstücken.
- Hoher Eigenverbrauchs-Hebel: Bei Dachanlagen auf Wohn- oder Gewerbegebäuden kann der erzeugte Strom direkt vor Ort genutzt werden. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde (kWh) ersetzt teuren Netzstrom, was bei aktuellen Preisen eine hohe Renditekomponente darstellt.
- Mieterstrom-Modelle: Bei Mehrfamilienhäusern können Investoren den Strom direkt an die Mieter verkaufen (Mieterstrom). Der Verkaufspreis liegt hier in der Regel über der gesetzlichen Einspeisevergütung, was die Rentabilität stark erhöht. Zudem gibt es einen Mieterstromzuschlag als zusätzliche Förderung.
- Vereinfachte Genehmigung: Kleineren Dachanlagen (bis 30 kWp) profitieren von steuerlichen Vereinfachungen (Nullsteuersatz, Einkommensteuerbefreiung), was den administrativen Aufwand deutlich reduziert.
- Vandalismus-Schutz: Die erhöhte Position auf dem Dach bietet einen besseren Schutz vor Diebstahl und Vandalismus.
📉 Nachteile der Dachanlage #
- Begrenzte Skalierbarkeit: Die maximale Anlagengröße ist durch die Dachfläche begrenzt. Skaleneffekte, die bei Großanlagen greifen, sind hier nur eingeschränkt nutzbar.
- Abhängigkeit von der Dachsubstanz: Die Statik und der Zustand des Daches müssen stimmen. Wartung kann aufgrund der Höhe komplizierter und teurer sein.
- Fixierte Ausrichtung: Die Ausrichtung (z. B. Ost/West- oder Süddach) ist vorgegeben und kann nicht wie bei Freiflächen optimal zur Sonne hin ausgerichtet werden, was den Ertrag pro Modul leicht mindern kann.
🌳 Freiflächenanlage: Der Weg zum Skaleneffekt und Großprojekt #
Freiflächenanlagen, oft als Solarparks bezeichnet, sind Großprojekte, die auf gepachteten oder gekauften Flächen entstehen. Sie eignen sich für Investoren, die große Summen anlegen möchten und primär auf die Netzeinspeisung fokussieren.
✨ Vorteile der Freiflächenanlage #
- Maximale Skalierbarkeit: Freiflächen bieten die Möglichkeit, Anlagen in Megawatt-Größe zu realisieren, wodurch erhebliche Skaleneffekte bei Planung, Einkauf und Installation entstehen. Dies senkt die Stromgestehungskosten (LCOE) pro kWh oft deutlich.
- Optimale Ertragsausrichtung: Die Module können perfekt nach Süden ausgerichtet und im optimalen Neigungswinkel montiert werden, was den Energieertrag maximiert.
- Höhere Renditeerwartung: Durch die Skaleneffekte und die höhere Flächeneffizienz sind bei optimalen Großprojekten oft höhere Renditen (zwischen 7 % und 12 %) möglich, insbesondere bei einer Direktvermarktung (PPAs) oder erfolgreicher Teilnahme an Ausschreibungen.
- Flexibilität bei der Wartung: Die Anlagen sind ebenerdig leichter zugänglich, was Wartungs- und Reparaturarbeiten vereinfacht und verbilligt.
- Pachtmodelle: Die Investition ist auch ohne direkten Landerwerb über langfristige Pachtverträge möglich, was die Kapitalbindung reduziert.
🚧 Nachteile der Freiflächenanlage #
- Hohe initiale Investition: Die Gesamtkosten für Flächenerschließung (Infrastruktur, Zäune), Pacht/Kauf und die schiere Größe der Anlage erfordern ein deutlich höheres Anfangskapital.
- Komplexer Genehmigungsprozess: Freiflächenprojekte unterliegen strengeren Bauleitplanungen, Umweltverträglichkeitsprüfungen und benötigen oft aufwendige Netzanschlussabstimmungen. Dies führt zu längeren Planungs- und Realisierungszeiten.
- Ausschreibungspflicht: Große Freiflächenanlagen nehmen in der Regel an den EEG-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teil, um eine Marktprämie oder Vergütung zu erhalten. Der Vergütungssatz ist nicht wie bei kleinen Dachanlagen fest, sondern wird wettbewerblich ermittelt.
- Flächenkonkurrenz: Es besteht eine Konkurrenz um Flächen mit Landwirtschaft und Naturschutz. Dies kann die Standortwahl stark einschränken.
⚖️ Fazit: Welcher Anlagetyp passt zu welchem Investor? #
Die Wahl zwischen Dach- und Freiflächenanlage hängt stark von Ihren individuellen Anlagezielen, Ihrem Budget und Ihrer Risikobereitschaft ab.
| Merkmal | PV-Dachanlage (bis ca. 750 kWp) | PV-Freiflächenanlage (ab 750 kWp) |
| Typische Rendite | 5 % – 8 % (höher bei Mieterstrom) | 7 % – 12 % (durch Skaleneffekte) |
| Investitionsvolumen | Gering bis mittel | Hoch bis sehr hoch |
| Amortisationszeit | Ca. 10 – 14 Jahre | Oft kürzer durch Skaleneffekte |
| Ertragsquelle | Eigenverbrauch/Mieterstrom + Einspeisung | Primär Netzeinspeisung/Direktvermarktung (PPA) |
| Komplexität | Gering bis mittel (oft vereinfacht) | Hoch (Genehmigung, Ausschreibung, Netzanschluss) |
| Flexibilität | Eingeschränkt durch Dachgröße | Sehr hoch (optimale Ausrichtung) |
🤝 Kurze FAQ-Liste für Kapitalanleger #
F: Ist die Pacht für Freiflächenanlagen eine sichere Einnahmequelle?
A: Ja. Die Pachtverträge für Freiflächenanlagen werden in der Regel über 20 bis 30 Jahre abgeschlossen und bieten damit eine hohe Planungssicherheit für den Grundstückeigentümer.
F: Muss ich bei einer Dachanlage auf meinem Mehrfamilienhaus Mieterstrom anbieten?
A: Nein, Sie können den Strom vollständig ins öffentliche Netz einspeisen. Mieterstrom ist jedoch aufgrund des höheren Verkaufspreises an die Mieter oft die rentabelste Option.
F: Wie kann ich als Privatanleger in große Freiflächenanlagen investieren?
A: Dies ist oft über die Beteiligung an Bürgerenergiegenossenschaften, spezialisierten Fonds oder durch den Kauf von Anteilen an Projektgesellschaften möglich.
💡 Zusammenfassung und nächster Schritt #
Die Dachanlage ist die logische Wahl für Investoren, die ein geringeres Startkapital haben, Wert auf die Nutzung bereits vorhandener Flächen legen und die Rendite über den Eigenverbrauch oder Mieterstrom maximieren möchten. Sie bietet eine überschaubare Komplexität und eine solide Renditebasis.
Die Freiflächenanlage ist hingegen das Investitionsvehikel für Kapitalanleger mit hoher Liquidität, die maximale Skaleneffekte nutzen und das höhere Ertragspotenzial von Großprojekten realisieren wollen. Obwohl die Komplexität höher ist, können die potenziellen Renditen attraktiver sein.
Bevor Sie Ihre Entscheidung treffen, sollten Sie die spezifischen Rahmenbedingungen des Standorts (Dachzustand, Verschattung, Eignung des Freilandes) sowie die aktuelle Marktsituation (EEG-Vergütungssätze und Ausschreibungsergebnisse) genau prüfen. Holen Sie umfassende, maßgeschneiderte Vergleichsangebote und Wirtschaftlichkeitsberechnungen für beide Anlagetypen ein, um die für Ihre Investition objektiv beste Lösung zu finden.